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:: Die Regenmacher

Es ist ein alter Wunsch des Menschen, Wetter zu machen. Die Militärs mischen dabei an vorderster Front mit. Die Militärstrategen der USA machen kein Hehl aus ihrem Ziel, das Wetter als Waffe einzusetzen und damit zu riskieren, das Weltklima zu ändern.
Es war nach dem Zweiten Weltkrieg: Die US-Regierung hatte ein Team von Agrarexperten in das trockene Hochland von Arizona geschickt, um herauszufinden, welche Getreidesorten dem harten Klima standhalten und welche landwirtschaftliche Hilfe den Indianern in diesem kargen Landstrich angeboten werden konnte. Nach zwei Jahren wurde das Forschungsprojekt abgebrochen: Sämtliche Saat war verkümmert, kein Feld hatte es bis zur Reife geschafft. Unweit der Wissenschaftler dagegen ernteten die Hopi-Indianer zur gleichen Zeit Mais in allen Farben, ebenso Bohnen, Kürbisse, Chilis. Immer wieder waren kleine Schauer über ihren Feldern niedergegangen. Bevor das Team der Experten abreiste, suchte einer von ihnen einen Hopi-Bauern auf, der gerade blauen Mais erntete. Warum, wollte der Weiße wissen, sei hier blühendes Wachstum und bei ihnen alles verdorrt? Die Antwort des Hopi war knapp: "Wir singen für den Mais."

Es war ebenfalls in der Nachkriegs-ära, als in dem kleinen Städtchen Schenectady im US-Staat New York der Wetterforscher Vincent Schaefer 1946 mit seinen Mitarbeitern Langmuir und Vonnegut im Auftrag des Industriegiganten General Electric in einer Gefriertruhe experimentierte, um die Eisbildung an Flugzeugtragflächen zu studieren. Dabei fand er folgendes heraus: Regenschwere Wolken können über weite Strecken ziehen, ohne sich zu entleeren, solange es an so genannten Tropfenembryos oder Keimen fehlt, an denen sich Wasserteilchen sammeln können. Sobald man sie aber mit Silbersalzen "impft", kann ein Wolkenbruch eingeleitet und, so der Traum der Techniker, die Wüste bewässert werden.

Während die Praktiken der Hopi fortan nur Ethnologen und Anhänger der Metaphysik beschäftigten, führten Schaefers Erkenntnisse zu Wettermanipulationen in Ost und West. Heute werden in 25 Ländern der Erde Wolken geimpft, allein in den USA kann man bei 15 Firmen künstlichen Regen bestellen. Unter den Nationen, die chemisch auf das Wetter Einfluss nehmen, steht China seit Beginn der 90er Jahre ganz vorne. Wen Kang, Direktor des staatlichen Amtes für Meteorologie: "Wir bekämpfen Dürre, wir löschen Waldbrände, wir vertreiben Wolken, und wir sorgen für gutes Wetter bei Großveranstaltungen."

Nicht immer soll der Himmel sich öffnen. Um Landwirte vor Verlust durch Hagelschlag zu schützen, hat die Firma Dyn O Mat in Florida ein extrem saugfähiges Polymer Pulver entwickelt, das, vom Flieger versprüht, bedrohliche Wolkenbänke einfach auflöst. Beim Erstversuch am 19. Juni 2001 sei, so bestätigte der Tower des Palm Beach International Airport, eine 1,5 Kilometer breite Wolke verschwunden. Das Wundermittel Dyn O Gel sei, so beruhigte die Firma skeptische Umweltschützer, biologisch abbaubar Derzeit rätseln Limnologen über die Ursache einer Schwarzfärbung des Meeres auf Satellitenaufnahmen der Testregion ein Zusammenhang wäre möglich.

Lange Zeit berühmt für seine Hageldichte war der bayerische Landkreis Rosenheim südöstlich von München. Bis man in den 80er Jahren zur Selbsthilfe schritt. Heute verfügt Rosenheim über zwei Flugzeuge, die ein Gemisch von Silberjodid und Aceton versprühen und dadurch winzige Eiskeime entstehen lassen, an die sich das unterkühlte Wasser der Gewitterwolken anlagert. Im schlimmsten Fall folgen dann Graupelschauer. Ökologen werden beruhigt: In einer Untersuchung des Landes Baden Württemberg konnte nach einem solchen Einsatz kein Silberjodid am Boden nachgewiesen werden.

Doch nicht nur hehre Motive lenken der Wolken Weg. Im August 1952 ertranken in dem englischen Städtchen Lynmouth in der Grafschaft Devon 34 Menschen bei einem achtstündigen Regenguss. Über 40 Jahre später, als geheime Staatsakten freigegeben wurden, stellte sich heraus, dass das britische Verteidigungsministerium rund um Lynmouth Wolken geimpft hatte, um zu testen, ob künstlicher Regen eine Armee zum Halten bringen könne.

Nebel und Dürre auf Bestellung
Wetter als Waffe einzusetzen ist keine britische Domäne. Im Vietnamkrieg versuchten die Amerikaner, den Nachschub des Vietkong auf dem Ho Tschi Minh Trail durch chemisch verstärkten Monsunregen zu unterbrechen. Auf die künstliche Schlammproduktion reagierten die Vereinten Nationen mit einer Konvention, die die so genannte Weather Modification in der Kriegführung verbietet. Doch die Richtlinien der Uno spült heute der künstliche Regen weg. Außerdem: Wo hört der Krieg auf, und wo beginnt die Politik? Als im April 1986 eine radioaktive Wolke sich von Tschernobyl aus auf Moskau zubewegte, entschied die Sowjetregierung, die Hauptstadt zu schützen, und schickte Impf Flugzeuge. Der vorzeitige Regen ging über der Stadt Novosibkov nieder. Dass hier viele Menschen bis heute darunter leiden, verschweigen offizielle Berichte.

Amerikanische Streitkräfte glauben, das Wetter bis 2025 buchstäblich im Griff zu haben. Eine eiserne Faust, die vier Blitze schleudert, ziert passenderweise das Wappen der Air University der Maxwell Air Force Base in Alabama. Von hier und dem der Militärakademie angegliederten Air War College stammt eine Studie, die deutlich macht, worum es der Luftwaffe geht: um geplante Gewitter, maßgeschneiderte Nebelbänke, gezielte Dürre.

Bei den Wettermachern ist die Rede von "Gewittern, die man bestellen kann" und "Blitzen auf Befehl". Als Koryphäe meldet sich im Internet ein Physiker aus Texas, Bernard J. Eastlund. Heute leitet er die Eastlund Scientific Enterprises Corporation und brüstet sich auf der Website seines High Tech Unternehmens als Experte für die Modifizierung von Wirbelstürmen. Eastlund ist kein Neuling: Von 1966 bis 1974 war er für Forschungsprogramme der amerikanischen Atomenergiebehörde zuständig, und in den 80erJahren zählte er zu den Schlüsselfiguren der Strategic Space Initiative, jenes Projekts, das als "Star Wars" die Kritik der Weltöffentlichkeit auf sich zog. Ein überhitzter Elektronen Schutzschild in 70 Kilometer Höhe sollte eine unüberwindbare Abwehr bilden.

Der Texaner hat einen Vertrag mit der ESA (European Space Agency), der 15 Staaten angehören und die jährlich über einen Etat von 250 Millionen Euro verfügt. Die Agentur beauftragte ihn 1998, solargespeiste Satellitenkraftwerke zu entwickeln, die Sonnenenergie aufnehmen und in Form von Mikrowellen zur Stromversorgung auf den Boden senden. Der Militärstratege Eastlund entwarf den Thunderstorm Solar Power Satellite, der zusätzlich Stürme stoppen und atmosphärische Luftströme umlenken kann, um Unwetter zu verhindern.

Sein Szenario: In den Prärien der USA entwickelt sich ein Tornado. Sofort erhalten die Solar Satelliten den Befehl, ihre Mission zu ändern. Statt die Mikrowellen mit der üblichen Frequenz von 2,5 Gigahertz zu senden, bei der sie ohne Umweltbeeinflussung durch Wolken und Regen gehen, sollen es jetzt 30 Gigahertz sein. Wellen dieser Frequenz werden von Wolken und Regen absorbiert und führen zur Erhitzung. Und das ist auch das Ziel: Um die Winde zu bändigen, sollen kalte Luftströme aufgewärmt werden.

Solar Satelliten sollen auch in der Lage sein, mit Thermalwaffen sämtliche Kommunikation feindlicher Flieger auszuschalten. Immer geht es ums Erhitzen der Erdatmosphäre: Sei es der unteren Luftschicht, in der wir uns bewegen, oder in der Ionosphäre, die von 80 Kilometer bis in einige tausend Kilometer Höhe reicht.

Dort oben macht sich ein bisher weitgehend undurchschaubares Unternehmern namens HAARP (High Frequency Active Auroral Research Pro gram) zu schaffen. Das Forschungsareal erstreckt sich über weite Strecken arktischer Tundra nahe der Siedlung Gakona in Alaska. Offiziell dient das milliardenschwere, 1993 begonnene Projekt der Erforschung der Nordlichter, doch Kritiker befürchten das Schlimmste. Denn hinter HAARP steht das Pentagon, das eine Grundlagenforschung über die elektromagnetischen Vorgänge wohl kaum finanzieren würde, so die Gegner, böte sich hier nicht eine viel versprechende strategische Zukunft.

Vertragspartner in der Arktis ist APTI (ARCO Power Technologies Inc.), eine Tochter der Firma ARCO, die durch Öl und Erdgasförderung schon lange im Norden ansässig ist. Und APTI verfügt über das US Patent Nr. 4686605, das eine Methode beschreibt, wie die lonosphäre künstlich erhitzt und so auf Wetterphänomene eingewirkt werden kann. "Windeigenschaften in der oberen Atmosphäre können verändert werden, ebenso die Absorbierung des Sonnenlichts“, und zwar „durch Partikel-Konzentration, die wie ein Vergrößerungsglas wirken.“ Dies klingt, als könnte man eine Erdregion mittels gebündelter Sonnenstrahlen verbrennen.

Die kanadische Atomwissenschaftlerin Rosalie Bertell, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, ist skeptisch: "Es wäre voreilig, anzunehmen, es handle sich hier um ein eigenständiges Forschungsprojekt. In HAARP stecken 50 Jahre militärische Weltraumforschung. Hier werden drastische Veränderungen in der lonosphäre herbeigeführt, um Energieladungen an beliebige Orte der Erde zu senden." Folgt dem Wettrüsten bald das Wetterrüsten?
Quelle:
natur&kosmos - Claus Biegert
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