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:: "Wir danken den deutschen GRÜNHELMEN!"

Über die Eröffnung der nächsten (5.) Schule in einer Gemeinde in Afghanistan.
Strahlendes Wetter an diesem Tag, an dem fünf Dörfer um den Ort Gozara ihre neue Schule übergeben bekommen werden. Gozara ist eine Schule, die in einem Abstand von 600 m bis drei Kilometer von den Ortschaften entfernt liegt. Und nun strömen sie an diesem 11. 12 alle in die Richtung der Schule. Wir haben den Gouverneur der Provinz eingeladen, angesagt hat sich als Vertreter der Provinzregierung der Verantwortliche für Erziehung, Fahim. Die Schule wird eröffnet mit einem gesungene Koran Sure, wie immer in Afghanistan. Dann bekomme ich als Vorsitzender der GRÜNHELME das Wort: "Imruz chambe jasdahome Desseber hast", - beginne ich meine Ansprache. Deutsch heißt das "Heute ist Samstag, der 11. Dezember 2004 und heute ist ein ganz besonderer Tag in der Geschichte Afghanistans.

Über dem Haupteingang der Schule hängt ein wunderbar kalligraphisch geschriebenes Banner. Unser afghanisch deutscher Bauleiter Zobair Aki übersetzt es mir: "Wir heißen unsere Gäste willkommen. Wir danken für die gute Zusammenarbeit mit den deutschen GRÜNHELMEN - Freunden!"

"Be Gozare Maktabe nau eftetah Mischewad!" Denn heute so schließe ich auf Dari meine eingepaukten Sätze, die mir unser Baumingenieur und Deutschafghane Zobair Akhi aufgeschrieben hat. Und aufatmend kann ich registrieren: die im Innenraum der wie ein Hufeisen gebauten Schule mit 12 Räumen aufgereihten Afghanen und auch die Schülerinnen und Schüler haben mich verstanden. Dann geht es weiter in dem mit vielen Blumen geschmückten Haupteingang der Schule in Gozara: Ich bedanke mich bei meinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die wieder mit ihrer Sympathie für die Schulkinder in Afghanistan diese neue Schule möglich gemacht haben. Hierbei sind es besonders die Bürgerinnen und Bürger im Emsland, die insgesamt 26.000 Euro für diese Gozara Schule gespendet haben.

Im Verlauf der Eröffnung erzählt der Regierungsvertreter aus dem 40 Kilometer entfernten Herat, wie es zu dieser Schule gekommen ist und dankt gleichzeitig den GRÜNHELMEN: Wir waren im Frühjahr einmal im März 2004 in dem Büro des Erziehungs-Vertreters Fahim, und da saß eine Delegation aus Gozara. Acht würdige ältere Männer hoben an zu bitten: Sie hätten auf dem freien Feld nur sieben Zelte in denen gegenwärtig für Mädchen und für Jungens (etwa 950 insgesamt) Unterricht gegeben würde. Fahim zeigte auf uns und erklärte den Honoratioren von Gozara: Wir seien eine Organisation aus Deutschland, die nicht lange fackeln würde. Sie sollten sich an die GRÜNHELME halten. Wir zogen gleich an dem Nachmittag los, schauten uns den Platz mit den Zelten an, in denen Lehrer und Lehrerinnen gerade Unterricht haben - gingen dann noch in den Hauptort und setzten uns bei einem Tee zusammen.

Wieder haben wir die drei Bedingungen genannt:
  • Einmal: Die Grünhelme müssen eine kostenlose Unterkunft für ihre zwei Vertreter bekommen.
  • Zweitens: Die Gemeinden müssen uns versichern, daß sie genügend Lehrer haben.
  • Drittens geht die Sorge und die Bezahlung für die Schule und die Lehrer nach Fertigstellung der Schule in die Aufgabe des Staates.
Mittlerweile haben wir die Zahl der Bedingungen um zwei neue erhöht: Einmal muß die Gemeinde, und zumal der Mullah akzeptieren, daß die GRÜNHELME keine Mauer um die Schule bauen. Wir haben es immer wieder erlebt, daß konservative Kräfte nur noch ein allerletztes Argument haben gegen die Schulbildung auch der Mädchen. Es muß eine Mauer um die Schule gebaut werden. Wir haben die Situation an dem schönen Eröffnungstag bei strahlendem Kaiserwetter in Gozara. Da mischt sich noch ein älterer Bewohner in die Rednerliste und sagt: Die Schule sei ja sehr schön. Aber sie würde noch schöne sein, wenn es eine Mauer um sie herum geben würde.

Da nimmt danach unser Baumeister von den GRÜNHELMEN Zobair Aki das Wort und sagt es direkt seinen Landsleuten: Die Deutschen haben eine Mauerphobie. Sie wollen nie mehr etwas mit Mauern zu tun haben. Für sie ist das eine Gefangennahme der Schülerinnen und Schüler. Die deutschen würden das Geld nicht für eine Mauer geben.

Die fünfte Bedingung wird sein: Wir brauchen die Garantie der Gemeinde, daß es mindestens vier sog. "Spezialisten" geben wird, die auch schon wissen, wie man einen Stein- und Zementbau fertigstellt.

Wir machen am Ende einer solchen für die Afghanen ganz wichtigen rituellen, fast liturgischen Eröffnung noch das Zerschneiden des Bandes, um die Schule zu besichtigen. Ich gehe mit dem Behördenleiter der Provinzregierung, Fahim durch alle Räume, wir sehen, daß statt Schulmobiliars der Estrichboden mit einem großen Teppich ausgerüstet ist. Afghanische Kinder sitzen auf dem Boden und um das zu erleichtern, haben wir auf dem Estrichboden statt des in dem alten Afghanistan üblichen Strohteppiche gekauft. Die übrigens bekommt man so billig, daß das überhaupt kein Luxus ist.

Während der Feier werden noch zwei Gedichte von Lokal Dichtern mit einer Inbrunst vorgetragen, daß uns ganz warm ums Herz wird. Am Ende bekommt jeder Schüler einen Bleistift und einen Buntstift aus dem großen Paket, das der Bürgermeister von Troisdorf (Hauptquartier der GRÜNHELME 53842 Troisdorf), Manfred Uedelhofen mir in den Koffer mitgegeben hat. Die Hälfte haben wir für die sog. Troisdorf schule in Haustsche genommen, die andere Hälfte an die Schülerinnen und Schüler in Gozara. Stolz nehmen die Schüler ihre Stifte und auch die Wasserfarben mit, die uns vom Bürgermeister in Troisdorf gespendet wurden.

Alles das, was wir an Erfolgen bei dieser Arbeit haben, kann die riesengroße Armut nicht vergessen machen, unter der die Afghanen leben. Aber da sie ihre Armut und ihre Bedürftigkeit nicht an die große Glocke hängen und eine uns überwältigende Gastfreundschaft uns gegenüber beweisen, wird uns die Arbeit immer leicht gemacht. Es fehlen aber in der Provinz von Herat in den Dörfern noch an die 400 Schulen im ganzen Land ca. 2010 Schulen dieser Bauart. Wir wollen etwas für die Zukunft des Landes tun. Und die Zukunft heißt: Investieren wir in die Elementarausbildung und in den Bau von Schulen.

In dem nachgelassenen Buch der großen Islam- und Afghanistan Kennerin Prof. Annemarie Schimmel (gestorben 2003 in Bonn) gibt es ein Gedicht, das ich unserem Team gelassen habe von einer Sudanesin Layla Al-Maghribi, die 1999 gestorben ist. Der Titel "Kinder der Dritten Welt". Darin heißt es:


"Hinter dem gespenstischen Bild des lebendbegrabenen
Mädchens, mit meinen Seufzern, meinem Stöhnen,
und von Hunger zu Siechtum und von Krankheit zu Unwissenheit
wechseln mit den Tagen meine Lieder an und meine Tragödien".


Es gibt schon wieder drei neue Dörfer, in denen die Grünhelme jetzt noch zur Weihnachtszeit mit der Arbeit anfangen. Tscharholang, eine Schule für 480 Schülerinnen und Schüler, zu denen sicher noch die 200 Schülerinnen und Schüler der Nachbardörfer kommen. Dann in dem Karoch Distrikt (eine Stunde von Herat entfernt) der Ort Chagmagh, wo die Taliban sogar ein Gymnasium zerstört haben und der Ort Benafschak (gleicher Distrikt). Das alles tun wir immer im Vertrauen auf unsere Bevölkerung, die uns das kleine Geld gibt, aus dem zusammengenommen großes Geld wird. Weiter halten wir uns an das Versprechen an die Spender: Die Schule mit 12 Klassenräumen (bis 1000 Schülerinnen und Schüler) kostet uns 45.000, eine kleinere mit 6 Klassen (für 350-400) entsprechend unter 40.000 Euro.
Quelle:
Rupert Neudeck - GRÜNHELME
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