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:: Kein Frieden ohne nachhaltige Entwicklung

Kaum hat das Nobelkomitee seine Definition von Frieden erweitert und der Umweltaktivistin Wangari Maathai den Friedensnobelpreis verliehen, hagelt es Kritik von der klassischen Friedensforschung.
Johann Galtung, einer der renommiertesten Friedensforscher, nannte die Vergabe des Preises an die Vizeumweltministerin von Kenia einen "Skandal". Für Umweltaktivitäten habe Preisstifter Nobel keine Preise vorgesehen gehabt. Auch Norwegens Ex-Außenminister Thorbjörn Jagland warf dem Komitee vor, den Friedensbegriff zu verwässern. Die These, dass Ressourcenknappheit zu Konflikten führe, nannten mehrere Friedensforscher eine "zu simple" These.

Die Kritiker haben zum Beispiel die wahren Ursachen der letzten Irak-Krieg der beiden Bushs übersehen. Sowohl für Vater wie auch für seinen Sohn George W. Bush war das Öl einer der entscheidenden Kriegsgründe 1991 und 2003. Fast alle anderen Kriegsbegründungen waren Lug und Betrug. Das wissen wir inzwischen und die meisten US-Politiker geben dies heute auch zu - aber ein Teil der Friedensforscher tut sich schwer, umzudenken und neue Herausforderungen in der Friedens- und Konfliktforschung zu akzeptieren.

Dass "Kriege um Öl oder Frieden durch die Sonne" eine der großen Probleme des 21. Jahrhunderts sind und erst recht werden, haben Teile der heutigen Friedensforscher noch nicht verstanden. Die klassische Friedensforschung beschäftigte sich mit der Frage: Wie entsteht die Krankheit Krieg? Die Frage, welche ökonomischen und ökologischen Voraussetzungen zum Frieden führen, wird aber immer wichtiger schon deshalb, weil alle Kohle, Gas und Öl brauchen, aber diese Ressourcen bald zu Ende gehen.

Kritik an der Vergabe des Friedensnobelpreises ist nicht neu. Eine ähnliche Debatte hatte es gegeben als der Friedenspreis auch für den Einsatz für Menschenrechte vergeben wurde. Jede neue Erweiterung des Friedenskonzeptes wurde zunächst bekämpft. Doch heute herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass Demokratie und Menschenrechte Voraussetzung für Frieden sind. Dafür werden aber noch immer die ökologischen Voraussetzungen für Frieden übersehen. Dass es Kriege um Wasser und Kriege um Öl gab, gibt und geben wird, werden die heutigen Kritiker erst noch lernen müssen.

Ein Beispiel: Die UNO gab jüngst bekannt, dass 42 Prozent aller Schwarzafrikaner nur noch Zugang zu verseuchtem Wasser haben. ("Fast jeder zweite Afrikaner trinkt verschmutztes Wasser" ) Das ist eine Ursache für künftige Konflikte. Die Katastrophe von Dafur im Westsudan hat ihre Ursache auch in der dortigen Verwüstung, welche die arabischen Nomaden nach Süden treibt und dort zu Zusammenstößen mit afrikanischen Bauern führt. Öl ist ein wesentlicher Grund für den Bürgerkrieg im Sudan seit 20 Jahren. Den Dritten Weltkrieg führen wir bereits gegen die Natur - auch wenn es ein Teil der Friedensforscher noch nicht bemerkt hat.

Ohne gerechte und nachhaltige Entwicklung kann es künftig keinen Frieden geben. Ressourcenkämpfe werden in Zeiten der Knappheit von Ressourcen immer wichtigere Ursachen von Kriegen. Diesen Zusammenhang werden die heutigen Kritiker lernen - spätestens durch furchtbare Beispiele.
Quelle:
Franz Alt - 2004
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